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Biogas aus Abwässern der Palmölproduktion – ein Energieträger mit Potential?

Palmöl ist weltweit das wirtschaftlich bedeutendste Pflanzenöl. Doch der Anbau der Palmen und die Ölherstellung schaden Umwelt, Boden und Klima. Forscher haben eine Methode entwickelt, welche die Entstehung klimaschädlicher Treibhausgase deutlich reduziert – und das entstehende Biogas als Energiequelle nutzt.

Die Welt hungert nach Palmöl. Kein anderes Pflanzenöl ist heute für die Herstellung von Nahrungsmitteln und Kosmetika so gefragt. Das hat in den vergangenen Jahren zu einer rasanten Ausweitung der Anbauflächen geführt. Jährlich werden über 60 Millionen Tonnen Palmöl produziert, 85 Prozent davon in Indonesien und Malaysia. Mehr als zehn Millionen Hektar nehmen Palmölplantagen inzwischen allein in Indonesien ein.

Wo neue Plantagen entstehen, werden oft Regenwälder abgeholzt oder Moore zerstört. Viele Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum. Moorböden speichern enorme Mengen Kohlenstoff, der bei Trockenlegung unwiederbringlich in die Atmosphäre verloren geht. Zudem belastet der breite Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden die Böden und damit auch das Trinkwasser.

Doch nicht nur die Waldrodung für das Anlegen von Plantagen ist sehr umweltschädlich, sondern auch die Herstellung des Palmöls, bei der vor allem leere Fruchtstände und organisch belastetes Abwasser als Reststoffe anfallen. In der Regel wird das Abwasser in offene anaerobe Teiche geleitet, in denen sich Stoffwechselprozesse ohne Sauerstoff vollziehen. Dort werden die organischen Abfälle nach und nach biologisch abgebaut. Was umweltschonend klingt, ist jedoch äußerst klimaschädlich. Denn beim Abbau entweicht Gas in die Atmosphäre – ein Gemisch aus Kohlendioxid und mehr als 60 Prozent Methan, das den Treibhauseffekt etwa 23-mal so stark wie Kohlenstoffdioxid (CO2) befeuert. Bei der Zersetzung von festen Überresten, wie den leeren Fruchtständen, entsteht neben Methan zudem Lachgas, welches etwa 270 mal klimaschädlicher ist als CO2.

Um diese Treibhausgasemissionen zu reduzieren, haben Wissenschaftler in einem deutsch-indonesischen Gemeinschaftsprojekt ein patentiertes Verfahren entwickelt: Die zerkleinerten Fruchtstände werden hierbei unter Zugabe des Abwassers kompostiert. „Durch die Co-Kompostierung gelingt es uns, das gesamte Abwasser zu verdunsten“, erklärt Frank Schuchardt, der das Forschungsprojekt vonseiten des Thünen-Instituts betreut hat. „Mit dem Kompost gelangen alle Nährstoffe aus Abwasser und Fruchtständen als organischer Dünger zurück in die Plantagen.“ Die darin enthaltenen Substanzen können den Aufbau von Humus fördern und somit die Böden erhalten und verbessern. Zusätzlich kann aus dem Abwasser vor der Kompostierung in speziellen Hochleistungsfermentern Biogas gewonnen werden.

Damit sich die Investitionen in die nötige Technik jedoch flächendeckend lohnen, müssten sich noch andere Rahmenbedingungen ändern: Die meisten Palmölmühlen decken ihren eigenen Energiebedarf weitgehend durch das Verbrennen von Faser- und Schalenresten ab. Die Abnahme der Energieüberschüsse durch andere Verbraucher wird jedoch bislang erschwert, erklärt Schuchardt: „Das Biogas-Potential wird auch deswegen bisher selten genutzt, weil die meisten Palmölmühlen isoliert im Zentrum der Plantagen liegen und nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen sind. Außerdem arbeiten die Betriebe jährlich nur an 220 bis 250 Tagen, sodass nicht kontinuierlich Biogas erzeugt werden kann.“

So gibt es in Indonesien und Malaysia inzwischen zwar etwa hundert Co-Kompostierungsanlagen, aber bislang nur wenige Palmölmühlen, die aus ihrem Abwasser vor der Kompostierung auch tatsächlich Biogas gewinnen und damit ihre Methanemissionen reduzieren. Es ist also noch ein weiter Weg von der verfügbaren Technologie hin zum Schluss des Produktionskreislaufs in der Praxis – doch sowohl das weltweite Klima als auch die Böden und Menschen vor Ort würden davon profitieren.

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