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Interview mit Hans-Joachim Fuchtel

Warum müssen wir über Boden reden? Hans-Joachim Fuchtel, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, gibt Antwort.

Herr Fuchtel, warum müssen wir über den Boden reden?
H.-J. Fuchtel: Boden ist absolut elementar für unser aller Leben: unsere Nahrung, Kleidung, Energie, sauberes Wasser – all das bekommen wir im Wesentlichen von fruchtbaren Böden.

Ich selbst bin im Schwarzwald aufgewachsen. Dadurch weiß ich, dass Boden viel mehr ist, als „Dreck“ unter unseren Füßen:

Ohne Boden gäbe es die herrlichen Wälder in meiner Heimat gar nicht. Auf jeder meiner Dienstreisen pflanze ich daher einen Baum; auf philippinischem genauso wie auf georgischem oder südkoreanischem Boden – als Zeichen dafür, dass es unsere natürlichen Ressourcen gemeinsam zu schützen gilt.

Boden ist eine Ressource, die sich nur sehr langsam erneuert, von uns aber rasant verbraucht wird: Pro Jahr verlieren wir weltweit über zehn Millionen Hektar an fruchtbarem Boden – ausgelöst durch falsche landwirtschaftliche Nutzung, durch zu viele Schadstoffe und den Bau auf natürlichen Flächen. Und doch hängt unser Leben vom Boden ab: Die Nation, die ihren Boden zerstört, zerstört sich selbst, sagte schon Franklin D. Roosevelt. Daher müssen wir über Bodenschutz reden und ihn bei uns und in aller Welt fördern!


Was tut Ihr Ministerium im Kampf gegen den Verlust an fruchtbarem Boden?
H.-J. Fuchtel: Bundesminister Gerd Müller engagiert sich sehr für den Bodenschutz. So wurde im Ministerium die Sondereinheit „EINEWELT ohne Hunger“ eingerichtet, die sich jährlich mit über einer Milliarde Euro für weltweite Ernährungssicherung einsetzt, unter anderem durch verstärkten Bodenschutz und Wiedernutzbarmachung von stark geschädigten Böden in unseren Partnerländern.

Auch die Gründung des Netzwerks „Boden. Grund zum Leben.“ für den gemeinsamen Einsatz deutscher Akteure für den Bodenschutz ist eine große Neuerung.

Aber Bewährtes wird natürlich auch fortgesetzt: In den Trockengebieten der Welt unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Bevölkerung schon seit Jahrzehnten in der Bekämpfung von Verwüstung ihrer Äcker. Durch mein Engagement in Mauretanien weiß ich, in welche Notsituation die rasante Bodendegradierung die Menschen dort bringt. Essentiell sind hierfür nachhaltige Lösungen für Landmanagement, das die Ernährungssicherungssituation in Entwicklungsländern fördert. Bei der Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung von Entwicklungsländern spielt die Einführung von sozialen und ökologischen Standards – in der Textil- wie Nahrungsmittelproduktion – eine große Rolle.


Sie sagen, Bauern sollen schonender mit den Böden umgehen. Gleichzeitig müssen sie mit diesen Böden immer mehr Menschen auf der Welt ernähren. Wie soll das funktionieren?
H.-J. Fuchtel: Wir müssen in die Zukunft denken: langfristig können wir nur dann den Hunger bekämpfen und die weiter wachsende Weltbevölkerung ernähren, wenn wir unsere fruchtbaren Böden erhalten und degradierte Böden wieder nutzbar machen.

Denn die rein rechnerisch für jeden Erdenbürger verfügbare Ackerfläche nimmt rapide ab: Während uns heute noch etwa 0,2 Hektar Land pro Person zur Verfügung stehen, werden es 2050 nur noch 0,15 Hektar sein.

Konventionelle Landwirte genauso wie Ökobauern, Groß- wie Kleinbetriebe überall auf der Welt müssen daher bodenschonend produzieren. Bei uns in Europa sind Optimierungen möglich. Dazu kommt, dass es besonders in Entwicklungsländern noch viel Potenzial für Produktionssteigerungen durch eine intensivere, und trotzdem bodenschonende Landwirtschaft gibt. Aber auch alle anderen Akteure wie Stadtplaner, Klimainvestoren und Verbraucher sind in der Pflicht: jede Entscheidung über Bebauung, Bepflanzung und Konsum hat letztendlich auch Auswirkungen auf den Boden, der für Nahrungsmittelproduktion übrig bleibt.


Was haben wir Deutschen mit dem Verlust an fruchtbaren Böden in Ländern wie Brasilien oder Indonesien zu tun?
H.-J. Fuchtel: Wir nutzen Böden überall auf der Welt! Der durchschnittliche Europäer beispielsweise nutzt für ganze 60 Prozent seines Konsums (Nahrung, Kleidung, Holz etc.) Böden außerhalb Europas, d. h. nur 40 Prozent unserer Bedürfnisse decken wir mit unserem eigenen Boden. Was wir nicht immer wissen ist, ob der Boden in den Exportländern schonend genutzt wird, ob die Landrechte der lokalen Bevölkerung geachtet werden, und ob noch ausreichend Boden für deren Nahrungsmittelanbau übrig bleibt. Was wir wissen ist aber beispielsweise, dass unsere Fleischproduktion und unser -konsum ohne den Sojaanbau in Brasilien und Argentinien nicht auskommen: Etwa 2 Mio. Hektar Ackerfläche werden weltweit allein für die deutschen Sojaimporte genutzt! Oft wird dafür jedoch Urwald abgeholzt, Boden degradiert und Menschen werden vertrieben. Die Palmölproduktion in Südostasien hat oft ähnliche Folgen. Das macht mir persönlich sehr zu schaffen. Wir können das doch nicht einfach hinnehmen!


Nennen Sie uns die drei wichtigsten Dinge, mit denen wir in unserem Alltag zum Schutz der Böden beitragen können?
H.-J. Fuchtel: Ein wichtiger Punkt ist bewusstes Einkaufen: Produkte am besten vom Bauern aus der Region, und bei Importprodukten auf soziale und ökologische Zertifizierung achten. Nahrungsmittel bewusster auswählen – und weniger wegwerfen.

Ansonsten: Wer die Umwelt schützt, schützt auch den Boden. Im Garten kann man weniger Kunstdünger und Pestizide verwenden, und im Winter den Hof mit weniger Salz streuen.

Und schließlich etwas, was ich selbst gerne mache: Raus in die Natur gehen, mit den Liebsten durch den Wald spazieren, und gemeinsam spüren, wie gut die Natur uns tut – wie wichtig Boden für unser Leben ist!

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