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Wurstelier Hendrick Haase

INTERVIEW „Essen ist per se politisch“, sagt Hendrik Haase, Food-Aktivist und selbst ernannter „Wurstelier“. Mit seinen politischen Aktionen rund um das Thema nachhaltige und genussvolle Ernährung will Haase Deutschland zum Umdenken animieren – und nebenbei die Wurst als Spezialität wieder salonfähig machen.

Was ist an Essen eigentlich politisch?
Hendrik Haase: Essen und Kochen gehören zu den elementarsten Dingen in unserem Leben, weil sie unseren Körper und unsere Sinne ganz direkt beeinflussen. Aber die Entscheidung, was und wie wir konsumieren, beeinflusst nicht nur Genuss und Gesundheit, sondern auch die Umwelt, Arbeitsplätze und die Lebensqualität von Menschen auf der gesamten Welt.

Wie wirkt sich guter, gesunder Boden auf die Qualität von Fleisch und Wurst aus?
Hendrik Haase: Der Geschmack von Wurst wird genauso von der Bodenqualität beeinflusst wie ein guter Wein. Die Art und Herkunft des Tierfutters, die Rasse des Tieres, die Schnelligkeit seines Wachstums spielen eine Rolle. Doch auf konventionellen Höfen werden Tiere auf Masse, schnelles Wachstum und industrielle Verwertbarkeit getrimmt. Das ist fatal für den Geschmack.

Was haben die Wurst und der Schweinebraten auf deutschen Tellern mit den Böden weltweit zu tun?
Hendrik Haase: Viele landwirtschaftliche Anbaumethoden für Tierfutter tragen dazu bei, dass Böden langfristig zerstört werden. Für das Billigfleisch in unseren Supermarktregalen okkupieren wir riesige Bodenflächen in Südamerika, um darauf Soja für Futtermittel anzubauen. Wälder werden dafür abgeholzt, Böden innerhalb weniger Jahre kaputtgemacht. Zudem bleiben Düngemittel, die auch für Futterpflanzen genutzt werden, bei zu reichlicher Nutzung nicht nur im Boden, sondern gelangen auch ins Grundwasser und damit in Flüsse und Meere.

Wie können wir zur weltweiten Ernährungssicherung beitragen?
Hendrik Haase: Forschung und Innovationen sollten mehr auf ein Gleichgewicht zwischen ertragreicher Produktion und zukunftsfähiger Landwirtschaft setzen. Und die Themen Landbau und Ernährung müssen außerdem in den Schulunterricht getragen werden. Wo kommen unsere Lebensmittel her, wie werden sie hergestellt, welchen Einfluss hat das auf die Natur, die Gesellschaft und die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten – das alles wissen die meisten Kinder gar nicht mehr. Dementsprechend entwickeln sie auch kein Bewusstsein dafür, was Massenproduktion mit Umwelt, Böden und Menschen anrichtet.

Wie kann man den Boden den Menschen näher bringen?
Hendrik Haase: Es lohnt sich, mit einem Landwirt über sein Feld zu gehen, die Erde in die Hand zu nehmen, zu riechen. Der Unterschied zwischen dem verhärteten, geruchlosen Boden bei [vielen, Anm. d. Red.] konventionellen Höfen und dem erdig duftenden, lockeren Boden nachhaltig produzierender Bauern ist frappierend.

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