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Bauen ohne Bodenversiegelung: Ein Architekt konstruiert Räume in luftiger Höhe

Refugium, Naturerlebnis, Abenteuer – das Baumhaus ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort. Der Architekt Andreas Wenning hat bereits Dutzende Baumhäuser entworfen und gebaut. Ein großer Vorteil dieser Häuser: Es muss kaum Boden versiegelt werden.

„Der Natur nah und dem Erdboden entrückt“, so beschreibt Andreas Wenning das Lebensgefühl in einem Baumhaus. 2003 baute er sich seinen ersten eigenen Rückzugsraum, in neun Metern Höhe zwischen zwei Buchen.

Weil das außergewöhnliche Bauwerk schnell auf Interesse stieß, machte sich der Bremer Architekt mit der Geschäftsidee „Bauen im Baum“ selbstständig. Heute plant er Baumhäuser für Privatleute, Unternehmen und Hotelbesitzer. Zu seinen Auftraggebern gehören vor allem Familien mit Kindern, die sich mit einem Haus nahe den Baumwipfeln einen langgehegten Traum erfüllen. Baumhaushotels mit mehreren Raumeinheiten entstanden in Deutschland, Österreich, Nord- und Südamerika. Sein bislang größtes Projekt ist ein Konferenzbaumhaus in Belgien. Bis zu 15 Personen haben hier Platz.

Standorte der meisten Baumhäuser sind private Gartengrundstücke, da das Bauen im Wald im Normalfall nicht erlaubt ist. „Bei jedem Vorhaben gilt dem schonenden Umgang mit der Natur besonderes Augenmerk“, sagt Wenning. Boden und Baum sollen möglichst wenig beansprucht werden. Sofern die vorhandenen Bäume ausreichend stabil sind, verwendet der Architekt Seilkonstruktionen mit Textilgurten, um das Baumhaus zu befestigen. „Auf diese Weise kann sich der Baum nach wie vor bewegen und seine Rinde bleibt unverletzt“, erklärt er. Bei größeren Bauwerken kommen zusätzlich Stützen zum Einsatz. In diesen Fällen sind kleine Fundamente im Untergrund notwendig, es muss jedoch nicht großflächig versiegelt werden wie beim Bauen am Boden.

Die Baumhaus-Architektur bildet damit einen wohltuenden Gegensatz zum Bau normaler Häuser, durch den immer mehr natürlicher Boden versiegelt wird und damit unwiederbringlich verloren geht. Etwa 13 Prozent der Fläche in Deutschland werden zurzeit als Siedlungs- und Verkehrsflächen genutzt. Die Hälfte davon, mehr als sechs Prozent der Gesamtfläche der Bundesrepublik, gilt bereits als vollständig versiegelt. Und das Ende dieses Trends ist nicht absehbar: Tagtäglich werden weitere 73 Hektar für Verkehrs- und Siedlungsflächen überbaut – rund ein Hektar alle 20 Minuten.

Baumhäuser können somit, gemeinsam mit vielen anderen nachhaltigen Ansätzen, einen Beitrag zum Abbremsen des Versiegelungstrends leisten. Viel großflächiger und massentauglicher sind natürlich bodenschonende Maßnahmen wie die Verdichtung bestehender Bebauung oder die Bebauung innerstädtischer Brachflächen. Trotzdem: Wennings Architektur lässt Raum für Boden und regt – sei es auf einer Konferenz in den Wipfeln oder im Urlaub – zum naturnahen Nachdenken an.

Dabei folgt sie hohen gestalterischen Ansprüchen. Stromanschluss, Fenster, Dämmung und Bett gehören inzwischen zur Standardausstattung. Komfortablere Behausungen haben sogar Heizung, Badezimmer und Küchenzeile. Bevorzugt verarbeitet der Architekt Holz, doch auch Metalle und Glas finden Verwendung.

Wenning ist überzeugt, dass die Beliebtheit von Baumhäusern in Zukunft weiter wächst, auch wenn diese Art der Architektur eine Nische bleiben wird. Dennoch werden ihm die Ideen so schnell nicht ausgehen, damit auch künftig viele Baumhausbesucher die Ausblicke auf die Erde und alles, was auf ihr gedeiht, genießen können.

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