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Interview Ralph Caspers

Ralph Caspers ist Moderator der Kindersendung „Wissen macht Ah!“ und deutscher Botschafter der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Für das Boden-Netzwerk engagiert er sich zudem als Stimme für den Boden.

Herr Caspers, wenn Sie an Ihre eigene Kindheit zurückdenken, was verbinden Sie mit Boden?
Ralf Caspers: In erster Linie – Matsch. Ich verbinde mit Boden das tolle Gefühl, wenn es geregnet hat und man in Pfützen springt und sich im Matsch wälzt. Etwas, das wahrscheinlich jeder mal ausprobiert, aber vergessen hat. Was man regelmäßig wieder tun sollte. Das ist großartig. Mir fällt noch eine völlig andere Geschichte ein. Bei uns in der Familie gab es eine Hundezucht. Und wo viele Hunde sind, sind auch viele alte Hunde. Und wo viele alte Hunde sind, sterben auch manchmal Hunde. Das passiert natürlich auch im Winter. Und im Winter ist der Boden so zugefroren, dass man keine Löcher graben kann. Was wurde gemacht? Es wurden im Herbst schon Löcher gegraben, für die Hunde, die eventuell sterben. Und das fanden wir … doch sehr interessant. Und immer wenn ich Boden höre, muss ich an diese Löcher denken, die schon in weiser Voraussicht für die zu sterbenden Hunde gegraben wurden. Das hat jetzt eigentlich gar nichts mit unserem Thema zu tun, aber ich habe eben dieses Verhältnis zum Boden. Das ist sehr subjektiv.

Genau darum geht es ja... Wie prägt uns der Boden? Wie beeinflusst er unsere Persönlichkeit?
Ralf Caspers: Das waren auf jeden Fall zwei Sachen, die sehr prägend für mich sind. Ein unverstellter Umgang mit dem Tod und sich dreckig machen und Spaß dabei haben. Das gehört mit dazu.

Sehr, sehr schöne und sehr nachdenkliche Erinnerungen?
Ralf Caspers: Naja, das zweite ist eher eine fassungslose Erinnerung. Aber auch eine Haltung, die ich sehr gut verinnerlicht habe. Man muss vorsorgen. Und daran sieht man auch, wie schlimm Bodenversiegelung ist. Ein Loch graben ist dann gar nicht mehr möglich. Bodenversiegelung ist im Grunde wie „Eiszeit“ das ganze Jahr über. Da kann sich nichts entwickeln. Und da kann man auch nichts zurück in den Boden bringen.

Würden Sie sagen, dass Leute, die in Städten leben, den Kontakt zum Boden verloren haben?
Ralf Caspers: Also ich glaube, das hat nichts damit zu tun, ob man in der Stadt lebt oder auf dem Land. Wobei auf dem Land ist es wahrscheinlich einfacher, mal barfuß rumzulaufen und die Füße in den Boden zu drücken. Das ist in der Stadt, in der alles zubetoniert oder zugepflastert ist, schon schwieriger. Das stimmt.

Wobei viele Leute auch auf dem Balkon Gemüse anbauen...
Ralf Caspers: Ja klar. Und es ist natürlich auch schön, dass der Boden all das bietet, um mehr oder weniger selbst versorgt durch den Tag zu kommen. Ob man jetzt eigene Kräuter anbaut oder Tomaten. Wobei Tomaten sehr intensive Pflege brauchen. Habe ich gehört. (lacht). Aber es ist auch für den Städter eine kleine Unabhängigkeit, dass man eben nicht für jede Tomate oder für jedes Blatt Basilikum zum Supermarkt gehen muss und Geld hinblättern muss, sondern dass man sich damit selbst versorgen kann.

Ein anderes Thema: Sie sind Moderator der Kindersendung „Wissen macht Ah!“. Wie kann man Kindern die Themen Boden und Bodenschutz näher bringen?
Ralf Caspers: Ach, da gibt es viele Möglichkeiten. Wenn sich jemand gerne die Hände „dreckig“ macht, dann sind das junge Menschen. Viel mehr als ältere Menschen, obwohl ältere Menschen ja viel besser Bescheid wissen, wie man sich danach wieder sauber kriegt. Das ist so: Wenn man eine weiße Wand hat und Kindern Stifte in die Hand drückt, braucht man sie nur in Richtung Wand stupsen. Sie wissen dann schon, was man damit macht. Das ist das Gleiche mit dem Boden. Ich denke, dass junge Menschen da ganz interessiert sind, wenn man ihnen zeigt, was man damit machen kann.

Ist die Bedeutung von Boden in den Köpfen der Kinder dann noch eine andere?
Ralf Caspers: Kinder wollen spielen. Kinder machen sich keine Gedanken, was beim Fracking passiert. Oder dass man tiefe Löcher buddelt, um – keine Ahnung – Atommüll zu verstecken. Das ist etwas, worüber sie sich keine Gedanken machen. Und sollten sie vielleicht auch gar nicht. Aber wichtig ist ja, dass Kinder ein Gefühl dafür bekommen, dass Boden mehr ist als das, wo man drauf steht. Und der Rest kommt im besten Fall im Laufe der Zeit von ganz alleine.

Haben Sie noch eine Botschaft zum Abschluss?
Ralf Caspers: Man soll immer schön auf dem Boden bleiben.

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