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Der Mangrovenwald: Ein tropischer Klimaschützer unter Druck

Ihre Lage zwischen Land und Meer prägt die Man groven, die auch Gezeitenwälder genannt werden. Dieses außergewöhnliche Ökosystem ist nicht nur Lebensraum für viele Tierarten. Es bietet auch einen natürlichen Schutz für Küsten und Klima. Doch die sensiblen Küstenwälder sind stark gefährdet.

Brandungsschutz, Kohlenstoffdioxid-Speicher, Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt: Die immergrünen tropischen Mangrovenwälder sind ein komplexes Ökosystem mit vielen kostbaren Eigenschaften. Sie wachsen im Gezeitenbereich der tropischen und subtropischen Küsten und haben sich perfekt an den schwankenden Wasserstand und den sauerstoffarmen, oft instabilen Boden (Sediment) angepasst. Typisch sind daher die stützend wirkenden Stelzwurzeln oder Luftwurzeln vieler Arten, die sie oberirdisch ausbilden und über welche die Pflanzen im schlammigen Untergrund mit Sauerstoff versorgt werden.

Die Mangroven gelten – im Zusammenspiel mit weiteren Küstenökosystemen wie Seegraswiesen oder Korallenriffen – als „Kinderstube“ für Fische, Muscheln und Krabben. Deshalb bilden sie auch die Lebensgrundlage vieler Menschen, die von der Fischerei leben. Zudem tragen Mangrovenwälder stark zum Küstenschutz bei, indem sie zerstörerische Strömungen, Flutwellen und Wirbelstürme abbremsen. Da extreme Wetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen und der Meeresspiegel ansteigt, wird diese schützende Funktion immer wichtiger.

Doch auch als Kohlenstoffspeicher haben Mangrovenwälder für das globale Klima eine beachtliche Bedeutung – obwohl sie weltweit nur 0,7 Prozent der tropischen Waldfläche einnehmen.

Im dichten Wurzelgeflecht der Mangroven lagern sich schlammige Sedimente ab, die bis zu zehn Meter mächtig werden können. Dieser Schlamm enthält große Mengen an organischem, kohlenstoffreichem Material. Der US-Ökologe Daniel Donato und sein Team haben berechnet, dass die weltweiten Mangrovenbestände zwischen vier und 20 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern. Die oberirdische Biomasse, also Luftwurzeln, Stämme, Äste und Blätter, speichert pro Hektar etwa 159 Tonnen reinen Kohlenstoff. Im Boden sind es noch mehr: pro Hektar durchschnittlich 800 Tonnen. Die Sedimente mit eingerechnet, bindet ein Hektar Mangrovenwald damit so viel Kohlenstoff wie mehrere Hektar tropischer Regenwald. Werden die Gezeitenwälder jedoch zerstört, entweichen Kohlendioxid und andere Treibhausgase in die Atmosphäre. Das hat deutliche Folgen: Bis zu zehn Prozent der durch Abholzung erzeugten globalen Kohlenstoffdioxid-Emissionen entstehen laut Schätzungen durch die Vernichtung von Mangrovenwäldern.

Nach Angaben Donatos wurde in den vergangenen 50 Jahren bereits rund die Hälfte aller weltweiten Mangrovenwälder zerstört. Viele Mangroven mussten weichen, um Platz für Garnelen-Aquakulturen – meist zum Export bestimmt – zu schaffen. Weitere Gezeitenwälder werden für Ackerflächen, Siedlungen, Hotels und Straßen gerodet. Das Mangrovenholz wird zudem als Brennstoff und zum Bauen genutzt.

Inzwischen gibt es in verschiedenen Ländern Initiativen, um eine weitere Abholzung der Mangroven aufzuhalten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) engagiert sich – im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und gemeinsam mit Regierungen der Partnerländer und anderen Organisationen – für den Erhalt dieser Küstenwälder, beispielsweise in Bangladesch, Indien, Vietnam, Thailand und auf den Philippinen.

„Bei unseren Projekten geht es vor allem darum, zusammen mit Behörden der Partnerländer und der ansässigen Bevölkerung Strategien zu entwickeln, wie die Mangrovenwälder nachhaltig genutzt werden können, ohne sie in ihrem Bestand zu gefährden“, sagt Ilona Porsché, Leiterin des globalen Projekts „Blue Solutions“ der GIZ. Je nach Situation vor Ort seien das zum Beispiel Verbesserungen bei Management und Überwachung von Schutzgebieten sowie umweltverträgliche Formen der Garnelenzucht oder der Fischerei. „Außerdem werden in mehreren Regionen Mangroven wieder aufgeforstet, denn langfristig bilden diese natürlichen Systeme den effektivsten und kostengünstigsten Küstenschutz – welcher immer wichtiger wird in den stürmischen Zeiten des Klimawandels.“

Ähnlich sehen das Wissenschaftler auch in Hinblick auf den Klimaschutzbeitrag. Nach ihren Berechnungen könnten die meisten Länder potentielle Emissionen aus der Zerstörung von Mangroven durch Investitionen von weniger als zehn Dollar pro Tonne CO2 vermeiden. Somit sind Schutzprogramme für die Gezeitenwälder häufig wirtschaftlicher als andere Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

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