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Vertikale Landwirtschaft: Reis, Weizen und Spinat aus dem Hochhaus

Mit der Urbanisierung gehen mehr und mehr Flächen durch Versiegelung verloren, also durch das Bedecken des natürlichen Bodens durch oberund unterirdische Bauwerke. In Deutschland sind schon jetzt mehr als sechs Prozent der Gesamtfläche versiegelt. Für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen gehen täglich in Deutschland etwa 73 Hektar Boden-Fläche verloren – das entspricht etwa 104 Fußballfeldern.

Weltweit werden pro Jahr Böden von der zweifachen Größe Belgiens degradiert, das heißt, sie werden versiegelt oder verlieren durch falsche Nutzung ihre Tragfähigkeit. Die Ausbreitung der Städte findet weltweit vor allem auf Flächen mit den besten Böden statt – der Reichtum, den die Böden hervorgebracht haben, wird ihnen damit zum Verhängnis. Eine zukunftsfähige Raumordnung und Stadtplanung müsste diese Tatsachen berücksichtigen. Denn die fortschreitende Verdichtung der Städte macht fruchtbaren Boden immer knapper. Mit der Idee einer vertikalen Landwirtschaft wollen Ingenieure und Architekten diesem Trend entgegenwirken – indem sie den Anbau von Getreide
und Gemüse in Hochhäuser verlegt.

„Vorteile birgt das viele“, sagt Joachim Sauerborn, Agrarökologe von der Universität Hohenheim. Denn die aktuell weltweit verfügbare Ackerfläche werde für die künftige Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie nach Biomasse-basierten Produkten für Industrie und Treibstoffe nicht genügen. Sky Farming könnte zumindest dazu beitragen zu verhindern, dass weitere Wälder für den Nahrungsmittelanbau geopfert werden müssen.

Das Grundprinzip des vertikalen Pflanzenanbaus wurde bereits erfolgreich erprobt. Statt mit normalem Boden wird unter aeroponischen Bedingungen gepflanzt: Die Pflanzenwurzeln hängen in der Luft und werden mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichertem Nebel besprüht, abgestimmt auf die Pflanzenart, erklärt Sauerborn. Vor allem bei Grundnahrungsmitteln wie Reis und Getreide hält Sauerborn einen solchen Anbau für sinnvoll – also bei Nutzpflanzen, die viel Ackerfläche benötigen. Die Zucht von Bäumen und Pflanzen, die für die Vermehrung auf Insekten angewiesen sind, wäre allerdings nicht machbar. Denn Sauerborns Konzept sieht ein Gebäude vor, das voll computergesteuert und hochtechnisiert funktioniert – und zu dem Keime verbreitende Menschen und Tiere keinen Zugang hätten.

„Vorteile wären unter anderem, dass weniger Wasser verbraucht wird, keine überflüssigen Nährstoffe aus den Düngemitteln in Grundwasser und Atmosphäre gelangen und so die Umwelt belasten und die Pflanzen besser vor Schädlingsbefall geschützt wären. Außerdem wäre der Anbau völlig unabhängig von Klima und Jahreszeiten – es könnte praktisch das ganze Jahr geerntet werden“, sagt Sauerborn.

Die Bedenken von Kritikern, die einen zu hohen Stromverbrauch voraussagen, nimmt Sauerborn zwar ernst. Er ist jedoch sicher, dass die Forschung innerhalb weniger Jahre die Energieerzeugung und -nutzung billiger und effizienter machen wird – etwa im Bereich der LEDs und der Solarenergie. Letztlich müsse man Machbarkeit und Effizienz an real existierenden Objekten testen, sagt er.

In Singapur zumindest ist ein ähnliches Konzept bereits erfolgreich umgesetzt worden. In dem 2009 gebauten „Sky Greens“ in der Lim Chu Kang Area werden seit 2012 kommerziell Nutzpflanzen angebaut, mithilfe von Sonnenlicht und Wasserkraft. Dass die Idee der vertikalen Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Lösung von Fragen der Welternährung wird leisten können, stellen viele Experten jedoch in Frage. „Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz in der Ernährungswirtschaft werden wir kaum durch einen noch höheren Energie- und Chemieeinsatz erreichen können“, sagt etwa Walter Engelberg von der GIZ. „95 Prozent der Agrarprodukte werden auf natürlichen Böden erzeugt. Diese schonender und intelligenter zu nutzen, ist die wirkliche Herausforderung.“

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