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Bodenversalzung: Herausforderung für die Bauern im Nildelta

Pyramiden, Pergament, Kalender: Lange bevor andere Zivilisationen entstanden, entwickelte sich in Ägypten eine Hochkultur. Nicht zuletzt das fortschrittliche Bewässerungssystem trug dazu bei, dass die einstige Agrargesellschaft den Aufstieg schaffte. Bis heute ist die Bewässerung wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft. Doch trotz ausgeklügelter Systeme stehen die Bauern im Nildelta vor einer wachsenden Schwierigkeit: Während das Wasser knapper wird, versalzt der Boden. Zum Teil wären die Probleme jedoch lösbar.

Ein gewisser Salzgehalt ist in mineralischen Böden normal. Doch besonders in trockenen Gebieten, in denen die potentielle Verdunstung höher als der Niederschlag ist, kann Bewässerung dazu führen, dass sich das im Boden befindliche Salz an der Oberfläche ansammelt und so den Boden unfruchtbar macht. Pflanzen können durch die hohe Salzkonzentration schlechter Wasser und Nährstoffe aufnehmen, lagern aber gleichzeitig Salze an, die auf ihren Organismus in zu hohen Mengen – ähnlich wie beim Menschen – wie ein Gift wirken. Daher gilt in trockenen Regionen die Faustregel, Bewässerungssysteme immer mit Entwässerung zu koppeln, um eine Salzanreicherung an der Bodenoberfläche zu vermeiden.

Im ägyptischen Nildelta bemühen sich die Bauern seit Jahren, ihre Ackerböden vor Versalzung zu schützen und dadurch ihre Ernte zu sichern. Doch es bestehen einige Hürden. Der Grundwasserspiegel liegt hier nur etwa 1 bis 1,60 Meter unter der Erdoberfläche. Durch die Poren des Bodens steigt das Wasser bis zur Oberfläche und verdunstet dort. Auf dem Boden bleibt Salz zurück. Dieses Phänomen kann in vielen Trockengebieten der Welt beobachtet werden.

„An regenreichen Standorten spült Niederschlag das Salz immer wieder in tiefere Bodenschichten“, sagt Georg Käsler, Berater des GIZ-Projekts „Landwirtschaftliche Wasserproduktivität als Anpassung an den Klimawandel“. In Ägypten gibt es aber so gut wie keinen Regen.

Für die Bewässerung ihrer Felder nutzen die Bauern daher ein Kanalsystem. Für die Verteilung des Wassers im Nildelta hat das ägyptische Ministerium für Wasserressourcen und Bewässerung eine sogenannte Rotationsbewässerung eingeführt. Hierbei führen die Hauptkanäle ständig Wasser, während die Zweigkanäle nicht permanent, sondern umlaufend befüllt werden. Die Zweigkanäle werden jeweils einige Tage mit Wasser gefüllt, gefolgt von mehreren Tagen ohne Wasser. Die Anzahl der Tage ohne Wasser ist in den letzten Jahren in weiten Teilen des Nildeltas jedoch immer weiter angestiegen. Damit die Pflanzen die Zeiten ohne Bewässerung überstehen, müssen die Bauern auf ihren Feldern Wasser speichern. Dies führt zu erheblichen Wasserverlusten durch Versickerung und Verdunstung – und zu weiterer Versalzung des Bodens.

Doch die Beschränkungen der in die Zweigkanäle geleiteten Wassermengen haben einen wichtigen Grund: Ägypten hängt vom Wasser des Nils ab. Die mit den anderen Anliegerstaaten am Nil wie etwa Äthiopien und Sudan vereinbarte Menge an Nilwasser, das Ägypten zur Verfügung stehen muss, erhält das Land zwar jedes Jahr. Jedoch wächst die ägyptische Bevölkerung um mehr als zwei Prozent pro Jahr, das entspricht rund 140.000 Menschen pro Monat. Die Bevölkerung verbraucht also immer mehr Wasser, das der Landwirtschaft dann nicht mehr zur Verfügung steht.

Der Kreislauf der Bodenversalzung liegt also in extrem schwierigen geografischen und politischen Bedingungen begründet. Zum Teil ist er jedoch auch hausgemacht – denn das ägyptische Entwässerungssystem ist eine der Ursachen für den problematisch hohen Grundwasserspiegel. Eine Modernisierung des Entwässerungssystems würde jedoch mehrere Milliarden Euro kosten. Daher konzentriert sich Ägyptens Regierung derzeit auf die Förderung verbesserter Bewässerungsmethoden.

Damit die Bauern auch mit der Versalzungsproblematik besser umgehen lernen, wurde ein landwirtschaftlicher Beratungsdienst eingerichtet – den auch Käsler unterstützt. Seit über 35 Jahren arbeitet er in verschiedenen Ländern Afrikas und Asiens in der Entwicklungszusammenarbeit: „Wo auch immer ich war, habe ich festgestellt, dass Kleinbauern zwar nicht perfekt sind, aber in der Regel – angesichts der vorherrschenden Rahmenbedingungen – ziemlich dicht am Optimum arbeiten.“ Daher reiche es nicht, den Bauern lediglich technische Neuerungen für den Einsatz in ihren Betrieben anzubieten, sagt Käsler. Sein Fazit: Damit die Bauern das Wasser besser und bodenschonend nutzen können, müssen Politik und Verwaltung die hierfür erforderlichen Vorbedingungen schaffen – zum Beispiel mit Investitionen in ein verbessertes Entwässerungssystem.

 

 

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