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Renaturierung der Unteren Havel: Auen als natürlicher Schwamm gegen Hochwasser

Ob die „Jahrhundertflut“ von 2002 oder die landesweiten Überschwemmungen im Jahr 2013 – starke Regenfälle fordern in Deutschland immer wieder Menschenleben und verursachen schwere Schäden. Renaturierte Flusslandschaften mit Auenwäldern und zurückgebauten Uferbefestigungen können gleichzeitig zu einem natürlichen Hochwasserschutz und zu effektivem Naturschutz beitragen. Der Boden wirkt dabei wie ein Schwamm. Das heißt, dass die Wasseraufnahme- und Versickerungsfunktion vor Hochwasser schützen. Dass eine solche Renaturierung funktioniert, zeigt ein großangelegtes Projekt, das zurzeit an der Havel stattfindet.

Auenwälder, Moore, natürliche Flussarme – das alles gibt es heute in Deutschland nur noch selten. Stattdessen sind die meisten Flüsse begradigt, eingedeicht oder gar künstlich vertieft. Was einst Aue war, wird nun häufig als Acker oder Bauland genutzt. Das bedeutet aber auch: Wo früher im Fall von Hochwasser Wiesen überflutet wurden, sind es heute oft Häuser, die davon betroffen sind.

„80 bis 90 Prozent der Flussauen Deutschlands sind heute ausgedeicht. Diese Flächen werden zum größten Teil landwirtschaftlich genutzt“, sagt Rocco Buchta vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Das heißt, dass der Deich zwischen Fluss und Aue liegt. Hochwasserschutz ist aber ohne natürliche Überflutungsflächen schwierig – und die Abtrennung solcher Flächen von den Flüssen raubt zudem vielen Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Als Leiter des NABU Instituts für Fluss- und Auenökologie setzt sich Buchta darum für die Wiederherstellung natürlicher Flusslandschaften ein und leitet ein großangelegtes Beispielprojekt an der Unteren Havel in Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Entlang von rund 90 Flusskilometern soll die Untere Havel innerhalb ihrer Niederung, dem größten Feuchtgebiet im Binnenland des westlichen Mitteleuropas, renaturiert werden. „Wir öffnen dazu Flutrinnen, beseitigen Deiche, schließen Altarme wieder an und bauen Uferbefestigungen zurück“, erklärt Buchta. Mindestens 90 Hektar Auenwälder sollen zudem gepflanzt werden – mit drei- bis sechstausend Stecklingen pro Hektar. So soll wieder ein Wald wachsen, dessen Boden für die Versickerung und Speicherung der Wassermengen sorgt. Auch Lebensräume gefährdeter Arten können so laut Buchta zurückgewonnen werden. „Nicht verbaute Ufer sind die Kinderstube für viele Pflanzen, Muscheln, Vögel oder Fische“, so Buchta.

Neben der Natur profitiert auch der Mensch. Denn die Maßnahmen bieten langfristig einen vorsorgenden Hochwasserschutz. „Beseitigte Deiche etwa bedeuten größere Überflutungsflächen“, sagt Buchta. Zudem verbessere sich die Wasserqualität, weil die Böden von Auwäldern und Feuchtwiesen Nitrate und Phosphor aus dem Wasser filtern, die als Düngemittel häufig in zu großen Mengen in Flüsse geraten. Nach bisherigen Plänen dauert die Umsetzung des Projektes noch bis 2024. Trotz der aufwändigen Maßnahmen und hohen Kosten gibt es für Großprojekte dieser Art mehr als genug Argumente.

 

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