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Kampf gegen Erosion: Äthiopien kultiviert den Bodenschutz

Getreide, Kaffee, Ölfrüchte, Fleisch, Schnittblumen: Für viele landwirtschaftliche Produkte bietet das Hochland Äthiopiens ein günstiges Klima. Dennoch gibt es große Schwierigkeiten, das Überleben derBevölkerung zu sichern. Böden erodieren und werden für die Landwirtschaft unbrauchbar, der Grundwasserspiegel sinkt. Ein landesweites Programm will diesen fatalen Trend aufhalten – und hat einige Regionen Äthiopiens innerhalb weniger Jahre zu beeindruckenden Beispielen erfolgreicher Bodenschutzpolitik gemacht.

Äthiopien wächst rasant. Damit stagniert auch das Problem der Mangelernährung. Während sich die Bevölkerung in nur 50 Jahren verdreifacht hat, gingen gleichzeitig immer mehr fruchtbare Böden in dem Land verloren. Rund zehn Millionen Menschen, fast ein Zehntel der Äthiopier, sind heute regelmäßig von Nahrungsmittelhilfe abhängig – und das in einem Land, in dem der Agrarsektor die Basis der Wirtschaft bildet.

Die Ursachen dafür sieht Landwirtschaftsexperte JohannesSchoeneberger von der Deutschen Gesellschaft für InternationaleZusammenarbeit (GIZ) auch in unangepassten Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft. „Überweidung und die Abholzung großer Flächen für Feuerholz und Weideland haben dazu geführt, dass der Boden austrocknet, den Halt verliert und abgetragen wird“, sagt er. Auch der Ackerbau an steilen Hängen beschleunige die Abtragung von Boden. „Fällt starker Regen auf den für die Aussaat aufgelockerten und noch nicht mit Pflanzen bedeckten Boden, findet er keinen Widerstand und kann rasant talabwärts fließen“, erklärt Schoeneberger. Heftige Niederschläge würden dadurch immer mehr Ackerfläche erodieren.

Die Folgen sind fatal. Jedes Jahr verliert Äthiopien durch Bodenerosion 30.000 Hektar Boden. Zudem versickert weniger Regenwasser, wodurch der Grundwasserspiegel sinkt. Das Problem sinkender Grundwasserspiegel hat eine globale Dimension. Der weltweite Wasserverbrauch wird laut OECD bis 2050 um 55 Prozent zunehmen. Dann werden 2,3 Milliarden Menschen insbesondere in Afrika und Zentralasien in Gebieten mit Wasserknappheit leben. Nicht nur Trinkwasser wird fehlen. Auch die Landwirtschaft verliert ihre Grundlage.

Dieser Entwicklung wollte Äthiopiens Regierung nicht mehr tatenlos zusehen. Im Jahr 2008 startete sie ein großangelegtes Programm, das sogenannte Sustainable Land Management Program (SLMP), das auf Bodenschutz und nachhaltige Landwirtschaft setzt.

Partner des Sustainable Land Management Program (SLMP) sind auch die GIZ und die KfW im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). 90 Fachleute helfen zurzeit landesweit, heimische Berater auszubilden – die dann ihr Wissen über bodenschonenende Anbaumethoden an die Bauern weitergeben. „Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören der Bau von Terrassen an den Berghängen und die Ausbringung verschiedenen Saatguts, um mit vielfältigem Wurzelwerk den Halt des Bodens zu verbessern“, erklärt Programmleiter Schoeneberger. „Gräben werden quer zu den Hängen angelegt, durch die Regenwasser besser in den Boden sickert – ein wichtiges Instrument, um den Grundwasserspiegel zu erhöhen.“ Außerdem werden die Bauern angeleitet, ihr Vieh nicht mehr unkontrolliert an den Berghängen weiden zu lassen, sondern in Ställen zu halten. Das minimiert erosionsfördernde Fraß- und Trittschäden.

Leicht sei das nicht immer, sagt Schoenebeger. „Gerade das neue Weidemanagement braucht Zeit und Überzeugungsarbeit – und funktioniert am besten, wenn Bauern von anderen Bauern lernen.“

Die Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen in nachhaltigen Produktionsverfahren haben bisher circa 240.000 Familien in knapp 700 Dörfern erreicht. Die Erfolge sind vielerorts schon sichtbar. Dort bleibt die Erde nun liegen, statt von Wind und Regen fortgetragen zu werden, der Grundwasserspiegel ist gestiegen. „Nach drei bis fünf Jahren können die Bauern eine um 30 bis 60 Prozent erhöhte landwirtschaftliche Produktivität erzielen“, berichtet Schoeneberger. Das erfolgreiche Konzept ist von den Hochlandregionen Tigray, Amhara und Oromia bereits auf andere Landesteile ausgedehnt worden.

 

 

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